Welche Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge bestehen und welche Vor- und Nachteile haben diese?

 Familieninterne Nachfolge

Die Geschäftsführung wird an die eigenen Kinder bzw. an andere Familienmitglieder verkauft oder übergeben. Das ist die Erste der Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge. Einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung zufolge wird die familieninterne Nachfolge mit 53% am häufigsten als Nachfolgelösung gewählt. Da die Unternehmen in vielen Fällen das „Lebenswerk“ des Gründers darstellen oder schon seit Generationen in Familienhand sind, wird diese Form aus persönlichen Gründen meist bevorzugt.

  • Vorteile
    • Der Nachfolger kann bereits über Jahre hinweg in die Geschäftstätigkeiten eingearbeitet und integriert werden.
    • Starke Akzeptanz des Nachfolgers bei bestehenden Lieferanten und Kunden.
  • Nachteile
    • Die Entscheidung wird oft dominiert von Emotionalität und kann deshalb zur Übergabe an unterqualifizierte Nachfolger führen.
    • Oft besteht eine hohe Erwartungshaltung an die Nachfolger, was zu hohem emotionalen Druck führt.
    • Im Falle einer „Auszahlung“ durch den Nachfolger gestalten sich die Verhandlungen auf Grund der familiären Verbindung oft sehr schwierig.

 

 Unternehmensinterne Nachfolge

Das Unternehmen wird an einen oder mehrere langjährige Mitarbeiter verkauft. In diesem Fall spricht man von einem sogenannten Management Buy Out (MBO). Dies stellt im Fall, dass kein geeigneter familieninterner Nachfolger vorhanden ist, die beliebteste Alternative der Unternehmensnachfolge dar.

 

  • Vorteile
    • Die Mitarbeiter führen die bisherigen Interessen und Philosophie des Unternehmens fort.
    • Erhalt von Arbeitsplätzen und Standort ist i.d.R. gesichert.
    • Geschäftsunterlagen müssen nicht von firmenexternen Personen gesichtet werden.
    • I.d.R. keine oder sehr unkomplizierte Einarbeitungsphase der Nachfolger.
  • Nachteile
    • Oft bleibt eine nötige strategische Neuausrichtung des Unternehmens aus.
    • Es besteht die Gefahr von unternehmensinternen Lücken, diese müssen im Vorhinein erkannt und geregelt werden.
    • Da es sich bei den internen Mitarbeitern um Privatpersonen handelt, erstreckt sich die Refinanzierung des Kaufpreises evtl. über längere Zeit oder ist bei größeren Unternehmen nur schwer darstellbar.
    • Der Altinhaber muss dann bspw. Verkäuferdarlehen gewähren, einen Earn-Out anbieten oder ggf. weitere Sicherheiten stellen.

 

 Unternehmensexterne Nachfolge

Bei der unternehmensexternen Nachfolge gibt es wiederum 3 mögliche Szenarien:

1) Management Buy In (MBI)
Beim Management Buy In wird das Unternehmen an externe Führungskräfte verkauft. Es stellt somit das externe Gegenstück zum MBO dar.

  • Vorteile
    • Eigentum und operative Führung bleiben vereint, weshalb das externe Management ähnliche Interessen wie der Altinhaber verfolgt.
    • Übernahme eines neuen Managements kann neue Impulse geben und neue Motivation unter den Mitarbeitern freisetzen.
    • Da externe Manager ein langfristiges Interesse am Unternehmen verfolgen und sich erst „einkaufen“ müssen, kann hier ein tendenziell höherer Kaufpreis erzielt werden.
  • Nachteile
    • Das Management wird von externen Dritten übernommen, was zu Verunsicherung bei Mitarbeitern und Geschäftspartnern führen kann.
    • Relativ lange und komplexe Einarbeitungsphase des neuen Managements.
    • Da es sich bei den externen Mitarbeitern um Privatpersonen handelt, erstreckt sich die Refinanzierung des Kaufpreises evtl. über längere Zeit.


Oft besteht beim MBI die Möglichkeit eine Aufrechterhaltung der Arbeitsplätze und des Standorts in Austausch gegen einen geringeren Kaufpreis zu regeln.

 

2) Verkauf an einen Finanzinvestor
Finanzinvestoren erzielen in der Regel ihre Wertschöpfung über einen hohen Fremdkapitaleinsatz und eine nachfolgende gewinnbringende Weiterveräußerung des gekauften Unternehmens.

  • Vorteile
    • I.d.R. bleibt das aktuelle Management bestehen, weshalb essentielles Wissen über Kunden- und Lieferantenbeziehungen aufrechterhalten wird.
    • Finanzinvestoren bringen ein breites vorhandenes Industrienetzwerk mit sich.
    • Es entsteht neues Wachstumspotential durch Synergieeffekte.
  • Nachteile
    • Finanzinvestoren haben teilweise nur ein kurzfristiges Interesse. Sie erhoffen sich nach einer kurzen Aufbauphase einen Verkauf zu einem höheren Unternehmenswert.
    • Das kurzfristige Interesse kann zu einem tendenziell niedrigeren Kaufpreis, als z.B. durch strategische Käufer führen.
    • Durch den hohen Fremdkapitaleinsatz werden Verschlankungsmaßnahmen und Effizienzprogramme angesetzt, die Mitarbeiter stark unter Druck setzen können.

 

3) Verkauf an einen strategischen Käufer
In diesem Fall wird das Unternehmen an Investoren mit einem strategischen Interesse verkauft. Oft stellen diese Investoren bekannte Wettbewerber, Lieferanten oder Kunden dar, zu denen im Idealfall bereits langjährige Beziehungen bestehen.

  • Vorteile
    • Wachstumspotential durch Eingliederung in eine bestehende, größere Unternehmensstruktur.
    • Ziel des Käufers ist meist Expansion, was zu einem tendenziell höheren Kaufpreis führt.
    • Käufer hegt langfristiges Interesse am Unternehmen, was das Fortbestehen des „Lebenswerks“ sichern kann.
  • Nachteile
    • Erhalt von Arbeitsplätzen nur möglich, wenn Unternehmen optimal in Struktur des Käufers eingegliedert werden kann
    • Falles es sich beim strategischen Käufer um einen rivalisierenden Wettbewerber handelt, kann es zu emotionalen Fehlentscheidungen während des Verkaufs führen.


Wie Sie erkennen können, gibt es eine Menge an Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge. Je nach Situation und den jeweiligen Prioritäten des Altinhabers kann sich eine andere Art der Nachfolge als die beste Lösung ergeben. Hilfe bei der Orientierung der verschiedenen Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge und der Suche nach der besten Lösung, können Ihnen unsere M&A-Berater anbieten.

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